Heute schloss die RailsWayCon in Berlin seine Pforten und drei Tage lang durften sich die Teilnehmer großartiger Vorträge und Workshops erfreuen. Natürlich waren auch einige User von Munich-On-Rails präsent (unter anderem ich
) – daher gibt es jetzt und hier ein kleines Fazit.
Keynotes
Die erste Keynote hielt Ola Bini, dem JRuby Guru und Erfinder der Sprache Ioke. Sehr humorvoll legte er die Geschichte von Programmiersprachen dar und machte einen Ausblick auf deren Zukunft. Die Relevanz von Java wurde dabei relativiert, da es ja die JVM sei, die die Stabilität gewährleistet und nicht die Sprache darüber. Bini räumte Ruby einen grossen Part ein, war aber auch der Meinung dass in Zukunft eher “Multi-Language-Programming” zur Disziplin werden würde und auch der Fokus in Richtung Domain-Specific-Languages gehen würde.
Bei der zweiten liess uns Yehuda Katz einen Blick in das 2009 erwartete Rails 3.0 Framework werfen. Ein grosser Schritt wird dabei die Einführung von ActiveORM sein, einer Abstraktion der Datenbankdriver. Dadurch können Schnittstellen zu Datenbanken wie z.B. CouchDB oder SimpleDB geschaffen werden, die besser mit ActiveRecord zusammenarbeiten als es bisher möglich ist. Durch den Einsatz von Rack für die Abstraktion des Controllerdesigns lassen sich in Zukunft alternative Frameworks wie Sinatra oder Merb in Rails einbauen, so dass man die Flexibilität erhält in der Anwendung diese Framewerks parallel zu verwenden. Rails3 ist allerdings nicht vor Ende des Google Summer of Code zu erwarten.
Vorträge
Die Vorträge waren bunt gemischt und oft fiel die Wahl sehr schwer, welchen man nun besuchen sollte daher kann ich hier auch nur einige erwänen.
Jan Krutisch machte den Besuchern die Verwendung von HAML und SASS schmackhaft. Beides sind Templatesprachen, die das Erstellen von HTML und CSS sehr vereinfachen und strukturierten Code erzeugen. SASS hat den enormen Vorteil dass man Konstanten für das Styling benutzen kann und somit beispielsweise Farbangaben einmal definiert und beliebig verwenden kann. Ein anschliessender Einblick in das CSS Metaframework Compass schloss das Thema rund ab.
Stefan Tilkov von innoQ gab einen tieferen Einblick in das Konzept von RESTful Rails und welches die besten Praktiken dafür sind. Dabei wurden die Standardmethoden (GET,PUT,POST,DELETE) erleutert und wann sie zu benutzen sind. Sehr interessant dabei war, dass man durchaus eigene Methoden hinzufügen kann auch wenn es nicht notwendigerweise Sinn ergibt. Da REST über HTTP optimal implementiert ist, schlug Tilkov vor durchaus kleinere Anwendungsteile mit Rails zu erstellen und REST-Schnittstellen zu schaffen, da die Operabilität zu anderen Anwendungsteilen dadurch gewährleistet ist.
Ein Vortrag auf den ich mich besonders gefreut hatte war “Rails sitting on the Couch” von Alexander Lang. Er stellte sein Plugin Couch Potato vor, das eine Schnittstelle zur der dokumentbasierten Datenbank CouchDB bietet. Diese ist leider nicht ActiveRecord kompatibel, was jedoch auch nur schwer möglich ist, da es keine Tabellen und somit auch keine Tabellenbezüge gibt. Lang vertrat die Ansicht, dass durch eine DB, die wie CouchDB eine REST-Schnittstelle bietet der Server als “Middleware” komplett wegfallen könne und somit die Anwendungen auf reinen Javascript-Frameworks wie Sammy laufen könnten und direkt mit der Datenbank sprechen. Hier bin ich persönlich sehr skeptisch da schon allein der Sicherheitsaspekt problematisch wird.
“JQuery mit Rails” hiess ein Vortrag von Yehuda Katz, bei dem es um den Einsatz von JQuery parallel zu Prototype ging. Dabei wurden das Konzept von JQuery erklärt und einige konkrete Beispiele gezeigt. Katz vertritt die Meinung, dass RJS unbrauchbar ist und zeigte best practises wie man Templates von JS-Code entkoppelt.
Ein ähnliches Thema präsentierte Steven Bristol (Less Everything). Ihm ging es um “Advanced Javascript and Rails”. Dabei vertrat er jedoch die gegenteilige Meinung als Yehuda Katz, da mit Hilfe von JRails, einem Plugin das Prototype in Rails ersetzt, alle Helper benutzt werden können und der eigentliche Rubycode somit sauber bleibt. Da Katz mit im Publikum saß gab das natürlich eine Grundsatzdiskussion, jedoch akzeptierten beide die Meinungen des jeweils anderen. Interessant bei dem Vortrag waren auch die aufgezeigte Möglichkeit des Monkey Patching in JavaScript, sowie elegate OOP Vorgehensweisen.
Michael Johann, Chefredakteur des RailsWay-Magazins, gab einen großartigen Einblick darüber wie man in JRuby auf Swing und EJB 3.0 zugreifen kann. Sehr beeindruckend war wie man über die (J)Ruby-Konsole on-the-fly interaktiv eine GUI erstellen kann. Mit vielen praktischen Beispielen zeigte Johann, wie einfach sich EJB-Klassen mit Rails verbinden lassen und man dadurch bestehende Webanwendungen in Rails-Anwendungen integrieren kann. Dies eröffnet dem Ruby-Programmierer die komplette Java-Welt und umgekehrt können Javaentwickler Rails benutzen ohne auf gewohnte Frameworks verzichten zu müssen.
Des weiteren stellte Ralph von der Heyden, Mitarbeiter bei Xing, Möglichkeiten zur Verbessung von Frontend Performance vor und Vladimir Dobriakov (innoQ) zeigte uns wie evil “eval” beim Metaprogramming sein kann.
Fazit
Wie schon erwähnt kann der Artikel nur einen kleinen Einblick in die RailsWayCon bieten, die von Anfang bis Ende als voller Erfolg zu bezeichnen ist. Schade dass es vorbei ist, die Woche hätte man meinetwegen gerne voll machen können. Aber da bleibt nur übrig sich auf nächstes Jahr zu freuen.


27. Mai 2009 um 23:49
Es war prima wieder überregional/international mit Ruby und Ruby on Rails Enthusiasten zusammenzukommen!
Als bekannter Nörgler ;o) fallen mir nur zwei negative Punkte ein:
a) das Essen vom BCC b) die manchmal dem Ansturm nicht gewachsenen Räume
Ich hoffe, dass es nächstes Jahr wieder eine Konferenz geben wird!
1. Juni 2009 um 11:50
Auch ich kann mich nur anschließen. Die Konferenz war ein voller Erfolg. Ich hoffe auf eine Wiederholung im nächsten Jahr. http://www.jrubyonrails.de/2009/05/aktuelles-von-der-railswaycon.htm
3. Juni 2009 um 10:59
Aber “Tilkov” ist mir deutlich lieber als “Tiltov”